Als ich dieses Jahr mit meiner ersten Bergtour anfing hatte ich bereits 20kg abgenommen. Das war die Runde am Alatsee. Seitdem habe ich noch weitere 10kg ab und wieder 3kg zu genommen.
Das ursprüngliche Ziel ist so formuliert, dass wir eines Tages über die Alpen spazieren wollen um schlussendlich in Venedig an zu kommen. Das ist auch nach wie vor das Ziel. Mein persönliches Ziel ist es aber meinen Körper wieder soweit in Form zu bringen, dass ich überhaupt in der Lage bin über die Alpen zu marschieren.
Ich setze mir daher Zwischenziele, wobei ich das im folgenden gleich wieder anders formulieren muss. Das wird allerdings erst am Ende dieses Berichts passieren, es lohnt sich also bis unten zu lesen – scrollen wie bei der Microsoft Lizenzvereinbarung gilt nicht und bei F8 wird nichts passieren.

So, nachdem ich jetzt eine sehr leckere geräucherte Forelle vom Memminger Wochenmarkt gegessen und eine Weinschorle getrunken habe, können wir den melancholischen Teil des Beitrags hinter uns lassen und in gewohnter Art und Weise leichtfüssig den Gipfel des Blogbeitrags erklimmen.

Ich dachte schon die ganze Zeit, dass es wohl ein schöner Abschluss meiner ersten Wandersaison wäre eine Tour auf den Grünten zu machen. Also war das Ziel schon mal klar und es war auch klar, dass Peter bei dieser Tour dabei sein soll.
Unserer Dreiergruppe hat sich noch Gabi angeschlossen. Eine Bekannte, die schon lange in die Berge geht, Mitglied im DAV ist und die sich uns angeschlossen hat, da ihr Mann nur noch leichtere Touren gehen kann.
Glücklicherweise ist Gabi recht flexibel was die Terminwahl angeht, so dass wir am 12. September alle vier am Liftparkplatz von Kranzegg waren und über den sogenannten Witzwanderweg den Aufstieg auf den Wächter des Allgäus begannen.

Ich verliere jetzt mal kein Wort über den Witzwanderweg. Ich stelle mal folgende gewagte These auf:
Keiner der Menschen, die zu der Zeit lebten, als die Witze lustig waren, wäre heute noch in der Lage diesen Weg zu gehen.
Hier ein paar Beispiele und Wir entschlossen uns also den Witzwanderweg nach zwei gnadenlosen Witzen zu verlassen und weiter dem asphaltierten Weg zu folgen.

Wir gingen also voran und es ging gleichmässig steil bergauf, direkt zur Asante Christus Kapelle, welche die einzige evangelische Wegekapelle des Allgäus ist und von Gabi als erstes Etappenziel ausgeschrieben wurde.
Das nächste Ziel war dann der Berggasthof Kranzegg und wir folgtem dem Weg weiter. Es ging immer noch recht sportlich nach oben, so sportlich, dass ich das erste Mal seit langer, sehr langer Zeit Seitenstechen bekam, was aber glücklicherweise recht zügig wieder verging.
Interessant war nur, wieviel Autos da so unterwegs sind. Jedenfalls kamen wir auf dem Berggasthof an. Von dort sollten dann die asphaltierten Wegen geschotterten Wanderwegen weichen.

verwechslungsgefahr-biene--wespe

Verwechslungsgefahr Biene vs. Wespe

Gabi wollte beim Berggasthof ein Gruppenfoto machen und so suchte ich eine Gelegenheit wo ich meine Kamera abstellen konnte.
Ich fand ein Metallgatter wo ich meine Kamera draufstellen wollte und da passierte es….
Ich stütze mich an der Kante mit der linken Hand ab und wollte rechts die Kamera hinstellen, als ich plötzlich ein Stechen im linken Handballen spürte. Als ich hinsah bin ich mir sehr sicher, dass die Wespe noch nachmaulte.
Erst mal bisl Aufregung und Geschimpfe meinerseits. Dann versicherte ich, dass ich zumindest bis dahin nicht wisse allergisch auf Wespen zu sein und hielt meine Hand in den Brunnen, der glücklicherweise gleich hinter dem Gatter stand, welches verbotener Weise aber infolge des Notfalls geöffnet wurde. Wuhuuuuuu! Hat jeder den Satz kapiert? Wenn nicht, schreibt mir eine Mail.
Wir verzichteten dann auf das Gruppenbild und legten einen kleinen Verband an, der den Stich kühlen sollte. Ein Tempo nassgemacht, etwas Verbandsbinde drum herum gewickelt und nochmal alles gut in das kalte Wasser getaucht und es konnte weiter gehen.

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Die Jörnalpe hoch

Weiter ging es zum Berghof Riesen und von dort dann über die Alpen – im Allgäu und nur da, sagt man nicht Alm, sondern Alpe. Gabi meinte noch, dass es ab hier nur noch Bergauf ginge und ich dachte, dass wir den Witzwanderweg verlassen hätten.
Egal… rauf auf die Alpe und zwischen den Kühen durch nach oben gestiegen. Bei noch keiner Bergtour mussten wir soviel grasüberwachsene Felsen übersteigen. Das hört sich jetzt schlimmer an, als es tatsächlich war. Ich kann es im Moment aber nicht besser formulieren.
Martina hatte zu diesem Zeitpunkt schon ein paar Probleme. Sie war am Morgen mit Halsschmerzen aufgewacht und ihre Erkältung machte es zusätzlich schwerer.
Gabi lieh ihr einen ihrer Stöcke und so ging es Stückchen für Stückchen die Alpe hinauf.
Der Grünten war schon deutlich grösser geworden und bei schönstem Wetter wanderten wir unserem Ziel entgegen.
Es bleibt an der Stelle nicht viel mehr zu schreiben. Es ging halt nauf! Der Schlussanstieg hatte es noch einmal in sich. Aber dann hatten wir auch diesen geschafft und standen oben und sahen die Grüntenhütte.
Der Anblick, als wir auf dem „Grat“ oben ankamen war toll und ich hatte das Gefühl, es geschafft zu haben – und das war ein Fehler!

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Gruppenfoto an der Porta Alpinae

Aber dazu später mehr.
Bevor es zu dem Wasserfiasko kam, konnten wir noch an einer der Porta Alpinae unser Gruppenfoto machen.
Anschliessend ging es weiter zwischen den Kühen hindurch zur Grüntenhütte.
Je… war da was los! Wie kamen die Leute da nur alle rauf? Am Parkplatz waren wir quasi alleine und auch den ganzen Weg hinauf sahen wir vielleicht 10 Leute – da oben aber war fast voll! Kaum mehr eine Bank an der Hütte frei und die Bedienungen schon genervt.
Das musste Martina auch gleich erkennen, als sie in der Hütte um etwas Wasser bat, da ihre 1.5l schon weg waren.
Wir warteten draussen auf sie, als sie plötzlich auf uns zustapfte und uns erzählte, dass der Deckel der Flasche verloren gegangen sei. Sie meinte, die Bedienung habe ihn während die Bedienung meinte, dass Martina den wohl schon selber verschmissen hätte.
Jedenfalls war die Flasche voll, nur halt ohne Deckel.
Gabi hingegen hatte zwei kleine Flaschen dabei, in denen sie Tee hatte. Eine davon war schon leer und so schütteten wir ca. 1l in eine Flasche von Gabi und der andere halbe Liter passte in meine Wasserflasche.

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Blick zum Göpfl von der Grüntenhütte aus

Die Hütte liegt auf 1477m – es fehlten also noch ca. 260 Meter auf den Gipfel und der sah von der Hütte soooooooo weit weg noch aus.
Martinas Erkältung war auch nicht mehr schön zu reden und so stapften wir erstmal an den Berglift kurz unterhalb des Anstiegs zum Gipfel und da passierte es.
Die Wasserflasche lief aus! Gabis Flasche hatte keinen Drehverschluss, sondern so einen Draufdrückdeckel oder wie auch immer das heisst. Jedenfalls muss der Deckel beim Einpacken in den Rucksack irgendwie aufgegangen sein und Martina hatte eine nasse Unterhose.
Und ich hatte Respekt – Respekt vor dem Anstieg zum Gipfel und weil ich schon so froh war auf der Grüntenhütte zu stehen und ich die Ameisenstrasse von Menschen sah, die sich da hoch schlängelten entschloss ich mich vorsichtshalber doch lieber bei meiner Frau zu bleiben und den Gipfel nicht zu machen.
„Bergstation ist Pflicht – Gipfel ist Kür.“ Das war mein Motto bis dahin und das war falsch und wird hiermit geändert! Diese Motto nahm mir die Motivation weiter auf den Gipfel zu gehen – insofern muss es ab sofort lauten „Rauf auf den Gipfel!“ So isses, jawoll und so wird es sein!

Peter und Gabi machten sich allerdings auf den Weg und Martina und ich warteten unten zwischen Anstiegsbeginn und Grüntenhütte auf einer Bank und genossen die Sonne und die tolle Aussicht.
Nach ca. 1.5h kamen Gabi und Peter wieder und wir gingen alle zusammen zurück zur Grüntenhütte wo wir Kaffee und Kuchen hatten.
Ich bemerke gerade, dass der Artikel schon ziemlich lang ist und ich noch ein paar Bilder nachliefern muss.
Insofern mache ich an der Stelle eine kurze Pause und trink einen schönen Single Malt, bevor ich morgen dann über den Abstieg berichte.

So… also heute ist morgen. Quasi jetzt wenn ihr nicht aufgehört habt zu lesen. Falls doch, dann guten Morgen, guten Mittag, guten Abend oder eben gute Nacht.
Apropos, noch ein kurzer kulinarischer Seitensprung.
Ich versuche gerade in die Welt des Single Malt einzutauchen und hatte gestern einen Jura Superstition – mein Geschmack war es nicht, mit Wasser war er besser aber das ist für mich nicht Sinn der Sache.
Dafür brutzelt unser erster Krustenbraten im Ofen und währenddessen schreibe ich mal hier weiter.
Wir waren also wieder an der Grüntenhütte und ich hatte dort einen Almdudler und einen Apfelstrudel. Dem Strudel schmeckte man an (?), dass er hausgemacht war und nicht aus der TK – ebenso einer Holunderbuttermilch, die nicht zu vergleichen ist mit dem weissen Schlabberkram aus dem Supermarkt.
Während wir uns also stärkten suchten wir in der Karte nach der Route für den Abstieg.

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Abstieg über die Alpe zur Neumayr-Hütte

Es gab zwei Möglichkeiten: Über die Kammereckalpe Richtung Rettenberg und von dort wieder nach Kranzegg oder über den Breitensteinlift Richtung Neumayr-Hütte und Kranzegg.
Da wir über die Kammereckalpe wieder recht bald auf der Runde angekommen wären, die wir auch für den Aufstieg wählten, entschieden wir uns für den Weg Richtung Neumayr-Hütte.
Die Neumayr-Hütte kannten Martina und ich schon von der Geburtstagsfeier anlässlich des 60sten meiner Mutter, als wir dort mit der Verwandschaft eine Nacht verbrachten.
Damals noch mit dem urigen Hüttenwirt auf Matratzenlagern und unserem alten Hund, den mein Schwager durch den Schnee hochtragen musste. Im April kann es auf 1200m halt noch etwas Schnee haben. Meine Nichte war damals auch noch klein und konnte gerade laufen, wenn ich mich recht erinnere. Insgesamt war das eine schöne Feier und Übernachtung und ich erinnere mich gerne an die Zeit.
Wie ich gerade auch lese zieht das Hüttenteam wohl auf den Breitenberg. Was ab 2016 mit der Hütte ist weiss ich nicht. Ich würde es begrüssen, wenn sie wieder zur urigen Berghüttenromantik zurück kehren würde.
Ein paar stinkarte Kia, a guader Käs, a Bottrlmil und a Rank Brot – mehr brauchts doch ned. Ich kann auf „Kunst am Berg“ verzichten, das ist aber nur meine persönliche Meinung.
Langer Rede, kurzer Sinn: Wir entschieden uns die Runde über den Wald in Richtung Neumayr-Hütte zu nehmen.
Der Abstieg war recht mühelos und durch den Wald auch angenehm. Erwähnenswert ist vielleicht nur, dass wir über einen Stacheldraht mussten und ich irgendwie dachte, dass der Hund in der Ferne ein Schäferhund ist. Als das Paar mit dem Hund dann näher kam flitzte der unter dem Zaun durch und ein Hund von der Grösse eines Rehpinscher wedelte an meinem Bein.
Über die Alpe ging es dann weiter Richtung Breitensteinlift, den wir auch querten. Im Nachhinein war das vielleicht ein Fehler. Wir hätten östlich des Lifts bleiben müssen, aber das war nicht tragisch. Wir mussten nur unter ein paar weiteren Stacheldrahtzäunen durch, was lediglich zu zwei kleineren Textilschäden bei unseren Damen führte.

Wir kamen dann westlich der Hütte auf den Wirtschaftsweg, der nach Kranzegg runterführte und weiter recht unspektakulär verlief. Wir halfen noch einer Bäuerin mit herrlich breitem Oberallgäuer Idiom beim Eintreiben ihrer Kälbchen und dann standen wir nach einer insgesamt sehr schönen, aber auch anstrengenden Tour wieder an unserem Auto.

Hier noch mal die Bekräftigung:
Es geht auf den Gipfel! Der Berg is not enough!

PS: Grad überleg ich, ob ich das Auslaufen in einem eigenen Artikel unterbringe, aber eigentlich ne… passt schon noch hier rein. Ist eh schon lang der Artikel, da kommts auf ein paar Zeilen mehr auch nicht an.

Am Sonntag danach hatten Peter und ich das Gefühl noch etwas unsere Beine vertreten zu müssen. Martina lag mit ihrem grippalen Infekt flach und so zogen Peter und ich allein los.
Zunächst irrten wir in Sonthofen herum, da mein Navi Hinang als Ortsteil von Sonthofen gänzlich an eine andere Stelle auf unserem Erdball legte, als es dann lt. der Adresse des Berghofes Sonnenhof ist. Glücklicherweise habe ich vorher einen kleinen Bericht im Internet gelesen, der vorschlug von der Kirche Hinang aus los zu gehen, was wir dann auch taten, als wir in Hinang ankamen.

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Hinanger Wasserfall

Es geht unter der OA4 hindurch dem Wegweiser folgend. Recht bald ist man im grünen Dschungel und Infoschilder erläutern den Ursprung des Wasserfalls. Geplant war das als kleiner Fotowalk um den beginnenden Muskelkater los zu werden. Das hat an sich geklappt, wie der nächste Tag es zeigen sollte, allerdings geht es schon deutlich nach oben und das über Treppen, Brücken und mehr oder weniger hohe Stufen
, die für an sich schon schwere Oberschenkel durchaus eine kleine Herausforderung sein können.

Peter drückte es so aus als wir dann unterhalb der Sonnenklause wieder nach Hinang gingen:
„Ich hab gar nicht gemerkt, dass wir so hoch gelaufen sind, wie wir jetzt wieder herunter müssen.“

Tourdaten Grünten:
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Tourdaten Hinang:

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IMPRESSIONEN:

Grünten:

Hinanger Wasserfälle:

Linksammlung:
http://www.memmingen.de/wochenmarkt.html
https://de.wikipedia.org/wiki/Asante-Christus-Kapelle
https://de.wikipedia.org/wiki/Grünten
http://www.alpinien.de/06_Werke/01_Projekte/PortaAlpinae.php

http://www.allgaeu-ausfluege.de/fallhinang.htm
http://bergtouren-im-allgaeu.de/hinanger-wasserfaelle